QuNET startet Quantennetz über drei Bundesländer

Bundesforschungsministerin Bär aktiviert bei Abschlussdemo bundeslandübergreifendes Qkom-Testnetz –

Quantenkommunikation gilt als Schlüsseltechnologie der Zukunft. Sie eröffnet neue Möglichkeiten, digitale Kommunikation gegen Abhörversuche und Manipulation abzusichern – auch mit Blick auf die Bedrohung durch leistungsfähige Quantencomputer. In Deutschland wird diese Technologie von zahlreichen Initiativen vorangetrieben. Eine davon ist die seit Januar 2019 vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) geförderte QuNET-Initiative. Ihr Ziel ist es, die technologischen Grundlagen für zukünftige Quantenkommunikationsnetze zu erforschen und zu demonstrieren. Im Zentrum steht dabei die Quantenschlüsselverteilung (engl. Quantum Key Distribution, QKD), mit der kryptografische Schlüssel mithilfe quantenmechanischer Prinzipien sicher verteilt werden können. Sie soll künftig dazu beitragen, besonders sicherheitskritische Kommunikation abzusichern, etwa im Gesundheitswesen oder in Behörden. Zum QuNET-Konsortium gehören das Fraunhofer-Institut für Angewandte Optik und Feinmechanik IOF, das Fraunhofer Heinrich-Hertz-Institut für Nachrichtentechnik HHI, das Max-Planck-Institut für die Physik des Lichts (MPL), das Institut für Kommunikation und Navigation des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) sowie die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg.

Ende Oktober 2026 kamen im Futurium in Berlin zahlreiche Vertreter:innen aus Forschung, Industrie und Politik zusammen, um am finalen Schlüsselexperiment von QuNET teilzunehmen, das zugleich den offiziellen Abschluss der siebenjährigen Initiative markierte. Im Mittelpunkt stand der Zusammenschluss dreier regionaler Teilnetze in Bayern, Thüringen und Berlin zu einem gemeinsamen Quantenkommunikationsnetz. Dazu aktivierten die Vertreter der beteiligten Bundesländer zunächst ihre jeweiligen Teilnetze: In Erlangen übernahm dies der bayerische Ministerpräsident Dr. Markus Söder, in Erfurt der thüringische Ministerpräsident Mario Voigt und in Berlin der Regierende Bürgermeister Kai Wegner. Die drei Politiker waren zur Abschlussdemo digital zugeschaltet. Anschließend gab Bundesforschungsministerin Dorothee Bär in Berlin den Startschuss für die Verbindung der regionalen Teilnetze zu einem gemeinsamen, bundesländerübergreifenden Quantenkommunikationstestnetz. Auch das Land Sachsen war durch Dr. Babett Gläser, Abteilungsleiterin Forschung im Sächsischen Staatsministerium für Wissenschaft, Kultur und Tourismus, vertreten. Durch jeweils eigene Länderinitiativen hatten die Bundesländer wesentlich zum Aufbau von regionalen Forschungsinfrastrukturen zur Quantenkommunikation beigetragen, auf denen das länderübergreifende QuNET-Netz aufbauen konnte. Mit der erfolgreichen Zusammenschaltung der drei Teilnetze wurde eine skalierbare, domänenübergreifende Testumgebung für die Quantenschlüsselverteilung geschaffen und damit ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zu einer sicheren digitalen Kommunikation im Quantenzeitalter erreicht. 

Im Rahmen einer anschließenden Live-Demonstration wurde die Funktionsweise des Netzes anhand eines praxisnahen Anwendungsszenarios veranschaulicht: Dabei wurden fiktive Apothekenabrechnungen des Universitätsklinikums Jena über den IT-Dienstleister DATEV bis zur Bundesdruckerei quantengesichert übertragen. Die Übertragung erfolgte über konventionelle Glasfasernetze. Denn QuNET untersuchte nicht nur einzelne Komponenten und Systeme zur Quantenkommunikation, sondern auch deren Integration in reale und bereits weit verbreitete Kommunikationsinfrastrukturen. „Die Zukunft der Quantenkommunikation wird durch eine hybride, quantengesicherte Infrastruktur aus Glasfasernetzen, Freistrahlnetzen und Satellitennetzen bestimmt“, sagte Prof. Dr. Andreas Tünnermann, Sprecher der QuNET-Initiative. „In diesem abschließenden QuNET-Schlüsselexperiment zeigen wir genau das: Dass unterschiedliche Systeme und regionale Netze gemeinsam funktionieren. Damit kommen wir dem Ziel einer praktisch nutzbaren Netz-Infrastruktur für hochsichere Kommunikation einen wichtigen Schritt näher.“ Weitere Informationen zur Abschlussdemonstration gibt es hier.

 

Foto: Zusammenführung der drei Teilnetze zu einem bundesländerübergreifenden Quantenkommunikationsnetz durch Bundesministerin Dorothee Bär, Prof. Dr. Andreas Tünnermann und Prof. Dr. Christoph Marquardt.

 

 

Quellennachweise: https://www.fraunhofer.de/de/presse/presseinformationen/2026/oktober-2026/abschluss-der-qunet-initiative.html; https://www.bmftr.bund.de/SharedDocs/Kurzmeldungen/DE/2026/10/281026-qunet.html